Polizistinnen und Polizisten sind in den unterschiedlichsten Situationen mit Menschen, welche an Demenz erkrankt sind, konfrontiert. Unabhängig vom Anlass steht dabei vor allem die menschliche Komponente der Polizeiarbeit im Vordergrund. Deshalb ist es besonders wichtig, dass innerhalb der Exekutive ein Bewusstsein für diese Erkrankung geschaffen wird. Die Bemühungen in diese Richtung wurden nun erheblich verstärkt.
In Österreich leben immer mehr Menschen mit irgendeiner Form der Demenz. Die Exekutive hat bereits vor Jahren darauf reagiert und 2016 in Zusammenarbeit mit der Donau-Universität Krems das E-Learning-Tool "Einsatz Demenz" eingerichtet. Als erste Dienststellen wurden in Kärnten im Mai 2017 Völkermarkt, Friesach und Obervellach als "demenzfreundliche Dienststelle" zertifiziert. Mittlerweile sind landesweit 19 Polizeiinspektionen mit diesem Gütesiegel der Donau-Universität Krems versehen.
Initiative wird ausgebaut
In Kooperation mit dem Land Kärnten wurde die Maßnahmen der Exekutive in diese Richtung nun erheblich ausgebaut. Neben der bereits verfügbaren Online-Schulung wird es nun auch eine Präsenzschulung direkt in der jeweiligen Dienststelle sowie eine Praxiseinheit in einem Pflegeheim geben. Die Polizistinnen und Polizisten lernen dabei, typische Symptome und Verhaltensweisen zu erkennen und in praktischen Übungen, wie eine achtsame Kommunikation gelingen kann. Denn ein Mensch, der verwirrt ist oder sich gegen eine Maßnahme wehrt, handelt nicht unbedingt aus Widerstand oder böser Absicht. Sein Verhalten kann Ausdruck seiner Erkrankung, seiner Angst oder seiner Überforderung sein. Darauf gilt es entsprechend zu reagieren.
Die ersten Polizeidienststellen in Villach und Velden mit rund 40 Bediensteten wurden heuer bereits als Pilotstandorte mit allen drei Modulen geschult. Die Erfahrungen aus dieser Pilotphase fließen nun in den kärntenweiten Roll-out ein. "Das BMI hat mit der österreichweiten Initiative der demenzfreundlichen Dienststellen, basierend auf dem E-Learning, bereits einen wichtigen Grundstein gelegt. In Kärnten vertiefen wir diese Arbeit nun weiter – vor allem die enge Vernetzung mit Pflegeeinrichtungen ist für uns wertvoll", betont Oberst Wolfgang Gabrutsch im Rahmen einer Pressekonferenz mit dem Land Kärnten am vergangenen Freitag.
"Unser gemeinsames Ziel muss sein, dass Menschen mit Demenz möglichst lange gut, sicher und selbstbestimmt leben können. Dazu gehört auch, dass sie in einer Ausnahmesituation auf Menschen treffen, die wissen, wie man ihnen Sicherheit gibt. Genau das wollen wir erreichen – für ein demenzkompetentes Kärnten und damit auch für ein menschlicheres Kärnten", so Landesrätin Beate Prettner über dieses gemeinsame Vorhaben von Exekutive und Land Kärnten.
In diesem und im nächsten Jahr sollen neun weitere Polizeidienststellen mit rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Schulung teilnehmen – jeweils eine pro Bezirk.
Artikel Nr: 466953
vom Montag,
21.September 2026,
13:33 Uhr.
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