Zwei Tage. Viele Perspektiven. Eine zentrale Frage: Wie begegnen wir Extremismus und Radikalisierung in einer zunehmend komplexen Welt?
Der Präventionsgipfel 2026 des Landesamtes Staatsschutz und Extremismusbekämpfung der LPD Wien hat am 5. und 6. Oktober gezeigt, wie vielfältig und dynamisch sich die Phänomenbereiche entwickeln.
Radikalisierung findet längst nicht mehr nur in klassischen analogen Räumen statt. TikTok, digitale Subkulturen, extremistische Netzwerke, Memes, Influencer, neue Kommunikationsformen und Künstliche Intelligenz verändern die Art und Weise, wie Ideologien verbreitet, Zielgruppen angesprochen und Menschen mobilisiert werden. Auch Phänomene wie Antifeminismus und autoritäre Männlichkeit zeigen, wie unterschiedliche extremistische Narrative miteinander verbunden sein können.
Ein besonderer Schwerpunkt des zweiten Tages lag auf dem politischen Islam und seinen Einflussstrategien. Die Auseinandersetzung mit der Muslimbruderschaft, der Milli-Görüs-Bewegung, langfristigen Einflussstrategien und hybriden Formen gesellschaftlicher Einflussnahme macht deutlich, wie wichtig eine differenzierte und ideologiefeste Analyse ist. Gerade angesichts aktueller Entwicklungen braucht es hier Wissen, wissenschaftliche Einordnung und einen offenen, sachlichen Diskurs.
Gleichzeitig wurde deutlich: Extremismusprävention ist keine Aufgabe eines einzelnen Bereichs.
Der Präventionsgipfel brachte Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen, aus Polizei und Sicherheitsbehörden, Wissenschaft, Medizin, Verwaltung, Bildung, Technologie und Praxis.
Von der Analyse digitaler Radikalisierung über die medizinische Perspektive auf FGM, den Einsatz von KI in der Prävention und die Arbeit mit Betroffenen bis hin zu Deradikalisierung und dem sicherheitspolitischen Risikobild Österreichs: Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven machen den fachlichen Austausch so wertvoll.
Prävention bedeutet heute daher mehr als Früherkennung.
Sie bedeutet, Entwicklungen frühzeitig zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen, Wissen zu teilen und gemeinsam tragfähige Antworten zu entwickeln.
Der Präventionsgipfel 2026 war deshalb vor allem eines: ein Ort des interdisziplinären Dialogs.
Denn wenn sich Bedrohungen verändern, müssen sich auch unsere Präventionsansätze weiterentwickeln.
Wissenschaft trifft Praxis.
Polizei trifft Gesellschaft.
Analyse trifft Erfahrung.
Und Prävention wird zur gemeinsamen Verantwortung.
Vielen Dank an alle Vortragenden, Expertinnen und Experten sowie an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für zwei intensive und äußerst spannende Tage des Austauschs.
Ein besonderer Dank gilt allen, die mit ihrer Expertise, ihren Erfahrungen und ihren unterschiedlichen Perspektiven dazu beigetragen haben, den Blick auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu schärfen.
Prävention beginnt dort, wo wir bereit sind, hinzusehen und gemeinsam zu handeln.
Artikel Nr: 467539
vom Dienstag,
06.Oktober 2026,
11:00 Uhr.
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