Pressekonferenz 'Operation Casus'

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HBM Gerhard Karner bei seinen Ausführungen

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BK. Direktor Andreas Holzer ©  LPD NÖ/O.Greene

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HLPD Franz Popp bei seinem Statement ©  LPD NÖ/O.Greene

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Oberstaatsanwalt Wolfgang Handler, stellvertretender Leiter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ©  LPD NÖ/O.Greene

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Leiter des LKA NÖ, Stefan Pfandler, gab einen Überblick über herausfordernde Amtshandlungen ©  LPD NÖ/O.Greene

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Großes Medieninteresse ©  LPD NÖ/O.Greene

Schockanrufe: Polizei zerschlägt internationale Betrugsorganisationen

Mit der "Operation Casus" geht die Polizei konsequent gegen den organisierten Schockanruf-Betrug vor. Durch internationale Zusammenarbeit wurden mehrere kriminelle Organisationen gestoppt.

Das Landeskriminalamt Niederösterreich hat im Ermittlungsbereich "Falsche Polizisten" mehrere kriminelle Organisationen zerschlagen, die mit sogenannten Schockanrufen hohe finanzielle Schäden verursacht haben. Im Fokus standen die Betrugsformen "Kautionstrick" und "Medizintrick", bei denen sich Täterinnen und Täter als Polizistinnen und Polizisten, Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte oder Ärztinnen und Ärzte ausgeben.


Innenminister Gerhard Karner bezeichnete die Schockanrufe bei einer Pressekonferenz am 16. Februar 2026 als "besonders hinterhältig". Das Vertrauen in Polizei, Justiz, Ärzte oder Geldinstitute werde gezielt missbraucht. Er gratulierte den Kriminalisten: "Durch umfangreiche Ermittlungen durch das Landeskriminalamt Niederösterreich wurden 23 Tatverdächtige ausgeforscht und 17 davon festgenommen. Dadurch wurde ein weiterer hoher Schaden abgewendet."


Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts, betonte die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Justiz: "Seit der Etablierung der Ermittlungsgruppen in den Landeskriminalämtern unter der Leitung des Bundeskriminalamtes erfolgten in der Zeit von 2022 bis heute 189 Festnahmen, die Gesamtschadenssumme beläuft sich auf rund 53 Millionen Euro. Aufgrund der akribischen Ermittlungen und Klärungen durch die Polizei in ganz Österreich konnten sowohl die Schadenssumme als auch die Anzeigen um rund 50 Prozent gesenkt werden."


Landespolizeidirektor Franz Popp wies darauf hin, dass sich diese Betrugsform vor allem gegen ältere Menschen richtet. Viele von ihnen seien mit großem Respekt gegenüber Behörden aufgewachsen. "Diese Haltung ist keine Schwäche – sie ist Ausdruck einer funktionierenden Gesellschaft. Und genau das machen sich die Täter zunutze. Diese Betrugsform ist besonders perfide. Denn hier wird nicht nur Geld gestohlen, hier wird Vertrauen missbraucht", betonte Popp.


Angst und Zeitdruck: Die Betrugsmasche "Schockanruf"

Die strafrechtlichen Ermittlungen werden zentral von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft geführt. Mit der "Operation Casus", die seit 21. Dezember 2024 beim Landeskriminalamt Niederösterreich eingerichtet ist, besteht eine bundesweit zuständige Polizeieinheit zur Bekämpfung von Schockanrufen. Diese gebündelten Strukturen gelten auch international als Vorbild im Kampf gegen organisierte Betrugskriminalität.

Beim Kautionstrick behaupten Täterinnen und Täter am Telefon, ein naher Angehöriger habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und könne nur durch die sofortige Zahlung einer Kaution vor der Haft bewahrt werden. Beim Medizintrick wird vorgetäuscht, ein Familienmitglied sei schwer erkrankt und benötige dringend ein teures Medikament. In beiden Fällen setzen die Anrufer ihre Opfer massiv unter Druck und versetzen sie in Angst. Viele Betroffene übergeben daraufhin Bargeld, Gold oder Schmuck an sogenannte "Abholer".

Im Jahr 2025 wurden österreichweit 90 vollendete Taten und 329 Versuche angezeigt. Die tatsächliche Zahl dürfte höher sein, da nicht alle Betroffenen Anzeige erstatten.


Internationale Spur führte nach Wien

Stefan Pfandler, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, gab einen Überblick über herausfordernde Amtshandlungen: Ein bedeutender Ermittlungserfolg gelang mit der Zerschlagung einer sogenannten Keilerzelle in Wien. Nach einem Hinweis slowakischer Behörden konnte ein Call-Center ausgeforscht werden, von dem aus Betrugsanrufe durchgeführt wurden. In enger Zusammenarbeit mit den Partnerbehörden in der Slowakei sowie mit Unterstützung aus Tschechien und Deutschland wurde ein 25-jähriger slowakischer Staatsbürger als Hauptverdächtiger identifiziert.

In einem Wiener Appartement wurden der 25-Jährige sowie drei weitere slowakische Staatsangehörige im Alter von 27, 33 und 49 Jahren angetroffen. Acht Mobiltelefone und zahlreiche SIM-Karten wurden sichergestellt. Der Gruppe werden in der Slowakei drei vollendete Taten mit einem Schaden von 120.000 Euro, mehrere versuchte Taten sowie zahlreiche weitere Anrufversuche zur Last gelegt. Der Hauptbeschuldigte wurde festgenommen und in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert.


Weiterer Ermittlungserfolg in Tschechien

Auch in Brünn in Tschechien konnte eine Tätergruppierung ausgeforscht werden. Mehrere Beteiligte wurden festgenommen und teilweise bereits rechtskräftig verurteilt. Neben den Anrufern selbst konnten zahlreiche "Abholer" und logistische Unterstützer im In- und Ausland identifiziert werden. Die Täter agierten arbeitsteilig und international vernetzt.


Oberstaatsanwalt Wolfgang Handler, stellvertretender Leiter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, betonte, dass es sich bei Schockanrufen um einen besonders verwerflichen Notlagebetrug handle, der von den Gerichten zuletzt hart bestraft wurde. "Hier wurden die verhängten Strafen auch hinaufgesetzt, um deutlich zu machen, dass eine unternehmensähnliche Betrugswirtschaft, die die Hilfsbereitschaft der schutzwürdigsten Personen einer Gesellschaft schamlos ausnützt, sich keinesfalls lohnen darf. Eine so hochprofessionelle Betrugswirtschaft kann nur durch eine hochprofessionelle Strafverfolgung bekämpft werden: zentral und effektiv. Denn die Täter halten sich auch nicht an Bundesländer- oder Staatsgrenzen", betonte Handler.

Autoren: BMI und CI Johann Baumschlager


Artikel Nr: 457317
vom Dienstag,  17.Februar 2026,  09:57 Uhr.

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© BMI/Gerd Pachauer

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